Legionellen kommen in praktisch jedem Trinkwassersystem in geringer Zahl vor, das ist normal und meist harmlos. Handlungsbedarf entsteht erst, wenn eine Untersuchung den technischen Maßnahmenwert von 100 KBE/100 ml erreicht oder überschreitet. Dann gilt: Laborbefund genau lesen, Gesundheitsamt informieren (falls das Labor es nicht schon getan hat) und einen Fachbetrieb für Risikoabschätzung und Sanierung beauftragen. Die wichtigste Vorbeugung bleibt simpel: richtige Speichertemperatur, funktionierende Zirkulation und Leitungen, die regelmäßig durchspült werden.
Kurz gesagt:
- Überschreitungen des technischen Maßnahmenwerts von 100 KBE/100 ml erfordern eine Risikoabschätzung, Kontrolle und ggf. Sanierung durch Fachbetriebe.
- Die beste Prävention ist die Einhaltung empfohlener Temperaturen: Speicher mindestens 50 Grad, Zirkulationssysteme bei 55 Grad halten.
- Das Risiko einer Infektion besteht hauptsächlich durch das Einatmen von Wassertröpfchen beim Duschen, nicht durch den Wasserkonsum.
- Bei Überschreitung des Grenzwerts muss das Gesundheitsamt informiert und dauerhaft eine technische Lösung umgesetzt werden.
- Hausbesitzer sollten lange Standzeiten vermeiden, Leitungen regelmäßig spülen und geeignete Materialien verwenden, um Legionellenwachstum zu verhindern.
Inhaltsverzeichnis
- Was sind Legionellen im Trinkwasser eigentlich?
- Legionellose und Pontiac-Fieber: Welche Krankheiten drohen wirklich?
- Wie stecken sich Menschen an? Duschen als größte Risikoquelle
- So beugen Sie Legionellen in der Hausinstallation vor
- Trinkwasserverordnung: Wann ist eine Legionellenprüfung Pflicht?
- Grenzwert überschritten: Was jetzt zu tun ist
- Probe nehmen lassen: Ablauf, Normen und Kosten
- Praxiswissen bei Legionellenprävention
- Warum konsequente Trinkwasserführung sich langfristig auszahlt
- Unterstützung bei Trinkwasserhygiene
- Quellen
- FAQ
Was sind Legionellen im Trinkwasser eigentlich?
Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die natürlicherweise in Gewässern und im Boden vorkommen. In der Trinkwasserinstallation wird vor allem eine Art gefährlich: Legionella pneumophila, verantwortlich für den Großteil der Erkrankungsfälle. Problematisch wird es nicht durch die Bakterien an sich, sondern durch die Bedingungen, die sie zur Massenvermehrung bringen.
Legionellen fühlen sich zwischen 25 und 45 Grad Celsius am wohlsten, ihr Wachstumsoptimum liegt bei etwa 35 bis 40 Grad. Ab rund 55 Grad Celsius sterben sie zuverlässig ab, weshalb diese Temperatur in Fachkreisen als kritischer Richtwert gilt. Drei Faktoren begünstigen ihre Ausbreitung in der Hausinstallation:
- Biofilm an Rohrinnenwänden, der Bakterien Nährboden und Schutz bietet
- Stagnierendes Wasser in selten genutzten Leitungen oder Holzsträngen
- Warmwasserspeicher, die dauerhaft im kritischen Temperaturbereich betrieben werden
Die öffentliche Wasserversorgung liefert in Deutschland durchgehend einwandfreies Trinkwasser. Das Risiko entsteht fast immer erst hinter dem Hausanschluss, in der eigenen Installation, wo Temperatur und Fließverhalten nicht mehr vom Wasserwerk, sondern vom Betreiber der Anlage kontrolliert werden.
Legionellose und Pontiac-Fieber: Welche Krankheiten drohen wirklich?
Legionellen verursachen zwei ganz unterschiedliche Krankheitsbilder. Das Pontiac-Fieber verläuft wie eine grippale Erkrankung mit Fieber, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen, heilt aber meist ohne Behandlung innerhalb weniger Tage aus. Die Legionärskrankheit (Legionellose) ist deutlich ernster: eine Lungenentzündung mit hohem Fieber, Husten und Atemnot, die unbehandelt lebensbedrohlich werden kann.
Die Inkubationszeit liegt bei der Legionärskrankheit meist zwischen zwei und zehn Tagen. Jede labordiagnostisch bestätigte Legionellose muss nach dem Infektionsschutzgesetz namentlich an das Gesundheitsamt gemeldet werden, das erlaubt es Behörden, Häufungen frühzeitig zu erkennen.
Nicht jeder ist gleich gefährdet. Besonders anfällig sind:
- Menschen über 50 Jahre
- Raucherinnen und Raucher
- Personen mit chronischen Lungen- oder Herzerkrankungen
- Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa durch Chemotherapie oder immunsuppressive Medikamente
Wichtig zu wissen: Wer legionellenhaltiges Wasser trinkt, wird davon in der Regel nicht krank. Die Infektion erfolgt fast ausschließlich durch das Einatmen feiner Wassertröpfchen, also durch Aerosole, nicht durch den Verzehr.
Wie stecken sich Menschen an? Duschen als größte Risikoquelle
Der Duschkopf ist der Klassiker unter den Infektionsquellen, weil er Wasser in feinste Tröpfchen zerstäubt, die tief in die Lunge eingeatmet werden können. Auch Whirlpools, Luftbefeuchter und Klimaanlagen mit Wasserverneblung zählen zu den bekannten Risikosituationen. Wer dagegen ein Glas Wasser trinkt, geht praktisch kein Risiko ein, ebenso wenig gibt es eine Ansteckung von Mensch zu Mensch.
Stagnation ist der stille Treiber im Hintergrund. Ein Gästebad, das nur alle paar Wochen benutzt wird, eine überdimensionierte Leitung im Altbau oder ein Wasserhahn im Keller, der monatelang steht: All das schafft genau die ruhigen, lauwarmen Bedingungen, in denen sich Legionellen ungestört vermehren können. Je länger Wasser in der Leitung steht, desto größer wird das Risiko bei der nächsten Nutzung.

So beugen Sie Legionellen in der Hausinstallation vor
Die gute Nachricht: Legionellenvorbeugung ist kein Hexenwerk, sondern eine Frage von Temperatur, Durchfluss und ein paar Grundregeln bei der Materialwahl. Fünf Maßnahmen machen den größten Unterschied.
- Warmwasserspeicher auf mindestens 50 Grad Celsius halten. Darunter beginnt der kritische Bereich, in dem sich Legionellen wohlfühlen.
- Zirkulationssysteme auf rund 55 Grad Celsius auslegen. Der DVGW empfiehlt diesen Wert als praxistauglichen Zielwert, bei dem sich Legionellen im zirkulierenden System nicht mehr nennenswert vermehren. Die Zirkulationspumpe sollte dabei bedarfsgerecht laufen, nicht dauerhaft abgeschaltet in Sparprogrammen.
- Kalt- und Warmwasserleitungen thermisch trennen. Eine Kaltwasserleitung, die direkt neben einer Fußbodenheizung oder einem warmen Heizungsrohr verlegt ist, erwärmt sich unbemerkt in den kritischen Bereich. Saubere Dämmung verhindert genau das.
- Jede Entnahmestelle mindestens wöchentlich nutzen. Steht ein Gästebad oder eine Außendusche lange ungenutzt, hilft nur eines: kurz und kräftig durchspülen, am besten heiß.
- Nur trinkwassergeeignete Armaturen und Rohrmaterialien verbauen. Nicht jedes Material, das optisch überzeugt, ist auch mikrobiologisch unbedenklich, Herstellernachweise nach den anerkannten Regeln der Technik lohnen einen zweiten Blick.
Profi-Tipp: Lassen Sie beim nächsten Urlaub niemanden zuhause die Heizung komplett abschalten und dabei den Warmwasserspeicher mit auskühlen. Genau in dieser Kombination aus Stillstand und mittlerer Temperatur entstehen die günstigsten Bedingungen für eine Vermehrung, die Sie erst nach der Rückkehr bemerken.
Wer eine grundlegende Sanierung plant, findet praktische Zwischenschritte in unserem Leitfaden zur Trinkwasserhygiene, der Temperaturführung und Nutzungsroutinen genauer aufschlüsselt.
Trinkwasserverordnung: Wann ist eine Legionellenprüfung Pflicht?
Nicht jeder Haushalt muss testen lassen. Die Trinkwasserverordnung verpflichtet Betreiber von Großanlagen zur systemischen Untersuchung, konkret betrifft das Anlagen mit einem Speichervolumen über 400 Litern oder einem Leitungsinhalt von mehr als drei Litern zwischen Speicheraustritt und Entnahmestelle, sofern das Wasser gewerblich oder öffentlich abgegeben wird, etwa in Mietshäusern, Hotels oder Pflegeeinrichtungen. In klassischen Ein- und Zweifamilienhäusern besteht dagegen in der Regel keine routinemäßige Untersuchungspflicht, Vorsicht bei dezentralen Warmwasserbereitern ist trotzdem angebracht.
Wo eine Pflicht besteht, gilt der technische Maßnahmenwert von 100 KBE/100 ml als Auslöser für weitere Schritte. Wichtig: Das ist kein klassischer Grenzwert, der eine sofortige Gefahr signalisiert, sondern ein Schwellenwert, der ein Maßnahmenprogramm in Gang setzt, Risikoabschätzung und technische Nachbesserung inklusive.
Die Untersuchungsintervalle regelt § 31 TrinkwV klar:
- Mindestens einmal jährlich bei Trinkwasser, das öffentlich abgegeben wird
- Mindestens alle paar Jahre bei gewerblicher Abgabe, etwa in Vermietungsobjekten
- Erstuntersuchung innerhalb eines Zeitraums von mehreren Monaten nach Inbetriebnahme einer neuen Anlage
- Das Gesundheitsamt kann Intervalle unter bestimmten Voraussetzungen verlängern
Wer als Vermieter unsicher ist, ob die eigene Anlage unter diese Pflicht fällt, findet eine ausführlichere Einordnung der 400-Liter-Grenze in unserem Beitrag zur Legionellenprüfungspflicht.
Grenzwert überschritten: Was jetzt zu tun ist
Ein positiver Befund über dem technischen Maßnahmenwert ist kein Grund zur Panik, aber ein klarer Auftrag zum Handeln. Die Schritte sind gesetzlich vorgezeichnet.
- Anzeige beim Gesundheitsamt. Das beauftragte Labor meldet eine Überschreitung in der Regel automatisch, als Betreiber sollten Sie sich trotzdem selbst vergewissern, dass die Meldung angekommen ist.
- Schriftliche Risikoabschätzung erstellen. Nach der UBA-Empfehlung zu § 51 TrinkwV muss diese Abschätzung eine Ortsbegehung, mögliche Abweichungen von den anerkannten Regeln der Technik und eine Bewertung der Probenergebnisse enthalten.
- Sofortmaßnahmen einleiten, wenn nötig. Dazu zählen die Information betroffener Nutzer, unter Umständen temporäre Filter an Duschköpfen oder ein befristetes Duschverbot an kritischen Entnahmestellen.
- Dauerhafte Sanierung planen. Nach dem DVGW-Arbeitsblatt W 551 werden technische Mängel identifiziert und behoben, oft geht es um Temperaturführung, Dämmung oder den Rückbau von Totsträngen.
- Alles dokumentieren. Sanierungsschritte, Nachproben und die Kommunikation mit dem Gesundheitsamt gehören lückenlos in die Akte, das erleichtert spätere Nachweise erheblich.
Ein qualifizierter Fachbetrieb übernimmt dabei die technische Seite, während das Gesundheitsamt die Einhaltung der Fristen überwacht.
Probe nehmen lassen: Ablauf, Normen und Kosten
Bei der Probenahme unterscheidet man zwischen systemischen Proben, die den Zustand der gesamten Anlage abbilden, und lokalen Proben an einzelnen Entnahmestellen, die einen konkreten Verdacht abklären. Für beide Varianten gelten feste Normen: Die DIN EN ISO 19458 regelt die Probenahme selbst, die DIN EN ISO 11731 die anschließende mikrobiologische Bestimmung im Labor.
Beauftragt werden darf nur eine nach Trinkwasserverordnung zugelassene, gelistete Untersuchungsstelle, keine allgemeine Wasseranalyse aus dem Baumarktregal. Wird der technische Maßnahmenwert überschritten, informiert das Labor eigenständig das zuständige Gesundheitsamt.
Zum Ablauf gehören typischerweise:
- Ein Erstbefund nach der Probenahme, meist innerhalb einiger Werktage verfügbar
- Bei Überschreitung eine Nachprobe nach durchgeführter Sanierung, um den Erfolg der Maßnahmen zu bestätigen
- Bei größeren Anlagen unter Umständen mehrere Entnahmestellen gleichzeitig
Die Kosten variieren je nach Anlagengröße und Anzahl der Probestellen deutlich, verlässliche pauschale Zahlen lassen sich seriös nicht nennen. Wer unsicher ist, ob eine Ortsbegehung, eine Messung oder direkt eine Sanierung nötig ist, sollte einen Fachbetrieb hinzuziehen, bevor überhaupt eine Probe genommen wird, das erspart oft unnötige Wiederholungsmessungen.
Praxiswissen bei Legionellenprävention
Ein professioneller Meisterbetrieb für Sanitär, Heizung und Haustechnik überprüft bei einer Ortsbegehung die gesamte Installation: Speichertemperatur, Zirkulationstemperatur an mehreren Punkten und den tatsächlichen Zustand von Dämmung und Leitungsführung.
Aus diesen Messwerten entsteht bei Bedarf ein konkreter Sanierungsplan, inklusive der Dokumentation, die für eine Risikoabschätzung nach § 51 TrinkwV verlangt wird. Wer zusätzlich mit Gerüchen im Warmwasser kämpft, findet ergänzende Hintergründe in unserem Beitrag zu Wasser, das nach faulen Eiern riecht, ein Symptom, das oft parallel zu Hygieneproblemen auftritt. Wer die eigene Anlage grundsätzlich fit halten will, findet praktische Wartungsschritte im Beitrag zur Sanitärwartung für Hausbesitzer.
Warum konsequente Trinkwasserführung sich langfristig auszahlt
Die meisten Legionellenprobleme entstehen nicht durch schlechtes Wasser, sondern durch vernachlässigte Technik: falsch eingestellte Speicher, tote Leitungsstränge, jahrelang ignorierte Wartungstermine. Wer hier präventiv investiert, gibt deutlich weniger Geld aus als bei einer nachträglichen Sanierung samt Sofortmaßnahmen und Zusatzproben. Eine regelmäßig gewartete, richtig dimensionierte Anlage schlägt jede improvisierte Filterlösung im Nachhinein. Meine Empfehlung bleibt deshalb schlicht: Gesundheitsamt und einen qualifizierten Fachbetrieb früh einbeziehen, nicht erst, wenn der Laborbefund schon rot markiert ist.
— Arthur
Unterstützung bei Trinkwasserhygiene
Fachbetriebe übernehmen für Hausbesitzer grundsätzlich Aufgaben wie Ortsbegehung, Temperatur- und Zirkulationsmessung, Sanierungsplanung und die passende Dokumentation für das Gesundheitsamt, um eine Risikoabschätzung nach Trinkwasserverordnung zu ermöglichen.
Statt sich durch Normen und Paragraphen zu wühlen, bekommen Sie eine Einschätzung direkt an Ihrer Anlage, mit konkreten Maßnahmen statt allgemeiner Ratschläge. Wer bereits einen auffälligen Laborbefund hat oder einfach unsicher ist, ob die eigene Zirkulation richtig eingestellt läuft, findet auf der Seite zur Haustechnik von Installateur John den passenden Einstieg. Für eine erste Einordnung, welche Maßnahmen bei Ihrer Anlage sinnvoll sind, nutzen Sie am besten die Planungshilfen und vereinbaren einen Termin für eine Erstberatung, bevor größere Schäden oder wiederholte Nachproben nötig werden.
Dieser Artikel enthält allgemeine Informationen und ersetzt nicht die Beratung durch einen qualifizierten Arzt. Wenden Sie sich an eine qualifizierte medizinische Fachperson zu Ihrer persönlichen Lage, bevor Sie auf Grundlage dieses Inhalts handeln.
Quellen
- § 31 Trinkwasserverordnung (TrinkwV) - Untersuchungspflichten in Bezug auf Legionella spec.
- Legionellen in der Trinkwasserinstallation: Vermehrung und Vermeidung (DVGW)
FAQ
Wie viele Menschen sterben in Deutschland an Legionellen?
Genaue bundesweite Sterbezahlen sind öffentlich nicht als feste Kennzahl gelistet, gemeldet wird jedoch jede labordiagnostisch bestätigte Legionellose nach dem Infektionsschutzgesetz, was den Behörden eine laufende Einschätzung des Infektionsgeschehens erlaubt.
Kann man sich über Trinkwasser mit Legionellen infizieren?
Das Trinken selbst ist meist unproblematisch, die Infektion erfolgt fast ausschließlich über das Einatmen feiner, legionellenhaltiger Wassertröpfchen, etwa beim Duschen oder in Whirlpools.
Ist eine Legionellenprüfung in Deutschland Pflicht?
Ja, aber nur für bestimmte Anlagen: Pflicht besteht bei Speichern über 400 Litern oder Leitungsinhalten über drei Litern, wenn das Wasser gewerblich oder öffentlich abgegeben wird, klassische Einfamilienhäuser sind davon in der Regel ausgenommen.
Wie lange sollte man den Wasserhahn bei Verdacht auf Legionellen laufen lassen?
Eine feste, allgemein vorgeschriebene Zeitangabe gibt es nicht, gängige Praxis ist ein kräftiges Durchspülen selten genutzter Leitungen, am besten heiß, bis merklich frisches Wasser aus dem System kommt. Bei einem bestätigten positiven Befund entscheidet ein Fachbetrieb über die konkret nötigen Sofortmaßnahmen.

