Kurz gesagt:
- Abwasser ist durch menschliche Nutzung oder Niederschlag verändertes Wasser, das ohne Behandlung Umwelt und Gesundheit schädigen kann. Es besteht aus Grauwasser, Schwarzwasser sowie Niederschlagswasser, wobei die Trennung der Ströme die Reinigung erleichtert. Moderne Kläranlagen entfernen Schadstoffe in drei Stufen und gewinnen wertvolle Ressourcen wie Energie, Nährstoffe und Wasser zurück.
Abwasser ist definiert als Wasser, das durch den menschlichen Gebrauch verändert wurde oder als Niederschlagswasser von bebauten Flächen abfließt. Diese Definition stammt direkt aus § 54 WHG, dem Wasserhaushaltsgesetz, das die rechtliche Grundlage für die gesamte Abwasserbeseitigung in Deutschland bildet. Abwasser umfasst damit sowohl das Wasser aus Küche, Bad und Toilette als auch Regenwasser, das von Dächern, Straßen und Parkplätzen abläuft. Bevor dieses Wasser in Flüsse, Seen oder das Grundwasser gelangt, muss es behandelt werden, da es Schadstoffe enthält, die Mensch und Umwelt schädigen können.
Welche Arten von Abwasser gibt es?
Abwasser teilt sich in zwei Hauptkategorien: Schmutzwasser und Niederschlagswasser. Das Schmutzwasser entsteht direkt durch den menschlichen Gebrauch und lässt sich wiederum in Grauwasser und Schwarzwasser unterteilen. Grauwasser stammt aus Waschbecken, Duschen und Waschmaschinen, während Schwarzwasser das stark belastete Abwasser aus Toiletten bezeichnet, das Fäkalien und Urin enthält. Diese Unterscheidung ist nicht nur akademisch, sie bestimmt, welche Reinigungsstufe notwendig ist.

Niederschlagswasser entsteht, wenn Regen auf versiegelte Flächen wie Dächer, Straßen oder Parkplätze trifft und dabei Schadstoffe aufnimmt. In vielen älteren Städten fließt dieses Wasser gemeinsam mit dem Schmutzwasser in einem einzigen Kanal ab. Dieses System nennt man Mischwasserkanalisation. Neuere Systeme trennen beide Ströme, was die Reinigung erheblich vereinfacht und kosteneffizienter macht.
| Abwasserart | Quelle | Typische Inhaltsstoffe |
|---|---|---|
| Grauwasser | Dusche, Waschbecken, Waschmaschine | Seife, Haare, Waschmittelreste |
| Schwarzwasser | Toilette | Fäkalien, Urin, Keime |
| Niederschlagswasser | Dächer, Straßen, Parkplätze | Reifenabrieb, Öl, Schwermetalle |
| Mischwasser | Kombination aus Schmutz- und Regenwasser | Alle oben genannten Stoffe |
Besonders das Mischwasser stellt Kläranlagen vor Herausforderungen, da bei starken Regenfällen die Kapazitäten schnell überschritten werden. Dann kann unbehandeltes Wasser direkt in Gewässer gelangen, was als Mischwasserüberlauf bekannt ist. Für Bremer Hausbesitzer lohnt es sich, die Abwasserabläufe im Eigenheim regelmäßig zu prüfen, um solche Probleme frühzeitig zu erkennen.
Welche Schadstoffe enthält Abwasser und warum ist die Entsorgung so wichtig?
Abwasser enthält eine Vielzahl von Schadstoffen, die ohne Behandlung direkt in die Umwelt gelangen würden. Zu den häufigsten gehören:
- Krankheitserreger: Bakterien, Viren und Parasiten aus menschlichen Fäkalien, die Infektionskrankheiten auslösen können.
- Schwermetalle: Kupfer, Zink und Blei aus Haushaltsrohren und Straßenabflüssen, die sich im Boden anreichern.
- Medikamentenrückstände: Hormone und Antibiotika, die der Körper nicht vollständig abbaut und die über den Urin ins Abwasser gelangen.
- Mikroplastik: Winzige Kunststoffpartikel aus Kosmetik, synthetischen Textilien und Verpackungen.
- Nitrat und Phosphat: Nährstoffe aus Waschmitteln und Düngemitteln, die in Gewässern zu Algenwachstum führen.
Besonders gefährlich ist die Einleitung von Abwasser in den Boden über illegale Sickergruben. Sickergruben sind verboten seit den 1990er-Jahren, weil sie das Grundwasser dauerhaft verunreinigen. Das Grundwasser hat dabei ein besonderes Problem: Schadstoffe bauen sich dort kaum ab, sodass Verunreinigungen lange verbleiben und teure Sanierungen nach sich ziehen. Das bedeutet, dass ein einziger illegaler Abfluss im Kleingarten die Trinkwasserqualität einer ganzen Region beeinflussen kann.
Profi-Tipp: Geben Sie niemals Speiseöl, Medikamente oder Hygieneartikel in den Abfluss. Diese Stoffe passieren Kläranlagen nur unvollständig und landen letztlich im Grundwasser oder in Flüssen. Speiseöl gehört in einen verschlossenen Behälter und dann in den Restmüll.
Auch Küchenreste wie Mehl sollten nicht ins Abwasser gelangen. Mehl verklumpt im Wasser und bindet dabei Fett und Haare, was zu hartnäckigen Verstopfungen führt. Diese Verstopfungen belasten nicht nur die eigene Hausinstallation, sondern auch die öffentliche Kanalisation. Feststoffe und Hygieneartikel im Abwasser erhöhen die Betriebskosten von Kläranlagen erheblich, was sich letztlich in höheren Abwassergebühren für alle niederschlägt.
Abwasser darf nicht unbehandelt in Boden oder Grundwasser eingeleitet werden. Schadstoffe verbleiben dort über Jahrzehnte und verursachen kostspielige Sanierungen, für die die Allgemeinheit aufkommt.
Wie funktioniert die moderne Abwasserbehandlung in Kläranlagen?
Die Abwasserreinigung in modernen Kläranlagen erfolgt in drei aufeinanderfolgenden Stufen, die jeweils unterschiedliche Schadstoffe entfernen. Dieses dreistufige Reinigungsverfahren ist der internationale Standard und sichert die Wasserqualität vor der Einleitung in Gewässer.
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Primärstufe (mechanische Reinigung): Grobe Feststoffe wie Papier, Sand und Fett werden durch Rechen, Sandfänge und Absetzbecken physikalisch aus dem Wasser entfernt. Der entstehende Klärschlamm wird separat behandelt.
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Sekundärstufe (biologische Reinigung): Mikroorganismen bauen gelöste organische Stoffe ab, indem sie diese als Nahrungsquelle nutzen. Dieser Schritt entfernt den größten Teil der biologisch abbaubaren Verschmutzung und reduziert den Sauerstoffbedarf des gereinigten Wassers erheblich.
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Tertiärstufe (weitergehende Reinigung): Nährstoffe wie Phosphat und Nitrat sowie verbleibende Schadstoffe werden chemisch oder durch Filtration entfernt. Moderne Anlagen setzen hier zunehmend auf Membranfiltration und UV-Bestrahlung, um auch Keime und Mikroplastik zu reduzieren.
| Reinigungsstufe | Methode | Entfernte Schadstoffe |
|---|---|---|
| Primärstufe | Mechanisch (Rechen, Absetzbecken) | Feststoffe, Sand, Fett |
| Sekundärstufe | Biologisch (Mikroorganismen) | Organische Stoffe, Sauerstoffzehrung |
| Tertiärstufe | Chemisch, Filtration, UV | Nährstoffe, Keime, Mikroplastik |
Nach der Tertiärstufe entspricht das gereinigte Wasser in der Regel den gesetzlichen Anforderungen für die Einleitung in Flüsse oder Seen. Die Qualität des gereinigten Wassers ist dabei so hoch, dass es in manchen Regionen nach weiterer Aufbereitung als Brauchwasser oder sogar als Trinkwasser genutzt werden kann. Für Hausbesitzer bedeutet das: Je weniger Schadstoffe im Abwasser landen, desto effizienter und kostengünstiger arbeitet die Kläranlage.

Welche Rolle spielt Abwasser als Ressource in der Kreislaufwirtschaft?
Abwasser ist nicht nur ein Entsorgungsproblem, sondern zunehmend auch eine wertvolle Ressource, aus der Energie, Nährstoffe und Wasser zurückgewonnen werden können. Diese Perspektive verändert den Umgang mit Abwasser grundlegend. Statt es als Abfall zu betrachten, sehen Ingenieure und Umweltexperten darin einen Rohstoff, der im Kreislauf geführt werden kann.
Konkrete Anwendungsfelder zeigen, wie weit diese Entwicklung bereits fortgeschritten ist:
- Wärmerückgewinnung: Abwasser verlässt Haushalte mit einer Temperatur von etwa 15–25 Grad Celsius. Wärmetauscher können diese Energie nutzen, um Frischwasser vorzuwärmen und so Heizkosten zu senken.
- Nährstoffrückgewinnung: Phosphat aus dem Abwasser lässt sich als Düngemittel aufbereiten, was die Abhängigkeit von endlichen Phosphatreserven verringert.
- Wasserwiederverwendung: Gereinigtes Abwasser wird in trockenen Regionen bereits zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen eingesetzt.
- Biogasgewinnung: Der bei der Klärung entstehende Schlamm wird in Faulbehältern vergärt und liefert Biogas, das Kläranlagen teilweise selbst mit Energie versorgt.
Besonders bemerkenswert ist eine neue Methode zur Wasserstoffgewinnung: Aufbereitetes Abwasser könnte die Kosten der Wasserstoffproduktion um 47 Prozent senken, da leicht angesäuertes Wasser aus der Kläranlage Elektrolyseure stabiler und länger betreibt. Das zeigt, dass Abwasser in der Energiewende eine aktive Rolle spielen kann.
Profi-Tipp: Vermeiden Sie Chemikalien wie Chlorbleiche oder Abflussreiniger auf Laugenbasis im Haushalt. Diese Stoffe töten die Mikroorganismen in der Kläranlage ab, die für die biologische Reinigungsstufe unverzichtbar sind. Natürliche Alternativen wie Backpulver und heißes Wasser reichen für die meisten Abflussreinigungen aus.
Damit die Ressourcennutzung funktioniert, muss das Abwasser möglichst frei von Störstoffen sein. Wer im Haushalt auf Medikamente im Abfluss, Hygieneartikel in der Toilette und aggressive Chemikalien im Abwasser verzichtet, trägt direkt dazu bei, dass Kläranlagen effizienter arbeiten und wertvolle Stoffe zurückgewinnen können.
Wichtige Erkenntnisse
Abwasser ist definiertes, durch Nutzung oder Niederschlag verändertes Wasser, das ohne fachgerechte Behandlung Grundwasser, Gewässer und die menschliche Gesundheit dauerhaft schädigt.
| Thema | Details |
|---|---|
| Die Abwasser-Definition | Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG § 54) definiert Abwasser als genutztes Wasser und Niederschlagswasser von bebauten Flächen. |
| Die Arten von Abwasser | Grauwasser, Schwarzwasser und Niederschlagswasser unterscheiden sich in ihrer Belastung und erfordern unterschiedliche Reinigungsverfahren. |
| Die Schadstoffe im Abwasser | Keime, Schwermetalle, Medikamentenrückstände und Mikroplastik machen eine Behandlung vor der Einleitung in die Umwelt zwingend notwendig. |
| Die dreistufige Reinigung | Primär-, Sekundär- und Tertiärstufe entfernen mechanisch, biologisch und chemisch unterschiedliche Schadstoffe aus dem Abwasser. |
| Das Ressourcenpotenzial | Aus Abwasser lassen sich Wärme, Nährstoffe, Biogas und sogar grüner Wasserstoff zurückgewinnen, was es zu einem wertvollen Rohstoff macht. |
Was ich nach Jahren im Sanitärhandwerk über Abwasser gelernt habe
Die meisten Hausbesitzer denken an Abwasser erst dann, wenn etwas nicht mehr funktioniert. Der Abfluss stinkt, das Rohr ist verstopft, oder der Keller steht unter Wasser. Dann wird klar, dass das, was täglich unsichtbar abfließt, ein komplexes System trägt.
Was mich nach Jahren in der Branche immer wieder überrascht: Die häufigsten Probleme entstehen nicht durch defekte Rohre, sondern durch falsches Verhalten im Alltag. Feuchttücher in der Toilette, Küchenöl im Abfluss, Farbreste im Waschbecken. Diese Dinge summieren sich zu Verstopfungen und Schäden, die teuer werden. Biofilme in Siphons verursachen übrigens den typischen Altwassergeruch, den viele kennen. Ein Duftspray hilft dabei nicht. Die mechanische Reinigung des Siphons schon.
Was ich Hausbesitzern in Bremen immer wieder rate: Behandeln Sie Ihre Abwasseranlage wie Ihr Auto. Regelmäßige Wartung kostet wenig und verhindert teure Ausfälle. Wer seine Sanitärrohre regelmäßig reinigt, spart langfristig deutlich mehr, als er ausgibt. Und wer die Abwasserhygiene ernst nimmt, schützt nicht nur das eigene Haus, sondern auch das Grundwasser, das wir alle trinken.
— Arthur
Abwassertechnik im Eigenheim: Installateur-john hilft weiter
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FAQ
Was ist Abwasser laut deutschem Gesetz?
Abwasser ist laut § 54 WHG Wasser, das durch den menschlichen Gebrauch verändert wurde, sowie Niederschlagswasser, das von bebauten oder befestigten Flächen abfließt. Die Definition umfasst sowohl Schmutzwasser als auch Regenwasser aus der Kanalisation.
Was gehört alles zu Abwasser?
Zum Abwasser zählen Grauwasser aus Dusche und Waschbecken, Schwarzwasser aus der Toilette sowie Niederschlagswasser von Dächern, Straßen und Parkplätzen. In Mischwassersystemen fließen alle diese Arten gemeinsam in einem Kanal ab.
Warum darf Abwasser nicht einfach versickern?
Abwasser enthält Keime, Schwermetalle und Medikamentenrückstände, die das Grundwasser dauerhaft verunreinigen. Schadstoffe bauen sich im Grundwasser kaum ab, weshalb illegale Sickergruben seit den 1990er-Jahren verboten sind.
Wie wird Abwasser in einer Kläranlage gereinigt?
Die Reinigung erfolgt in drei Stufen: Die Primärstufe entfernt Feststoffe mechanisch, die Sekundärstufe baut organische Stoffe biologisch ab, und die Tertiärstufe entfernt Nährstoffe sowie verbleibende Schadstoffe chemisch oder durch Filtration.
Kann Abwasser als Ressource genutzt werden?
Aus Abwasser lassen sich Wärme, Phosphat, Biogas und Wasser zurückgewinnen. Eine neue Methode zur Wasserstoffgewinnung aus aufbereitetem Abwasser könnte die Produktionskosten für grünen Wasserstoff um 47 Prozent senken.
